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Nachruf rolf herling

rolf herling

rolf herling ist tot. Er war Pfadfinder in meinem Trupp: ein engagierter, ideenreicher, witziger, in manchem unangepasster, froher Junge, der mit seinen oft schrägen Ideen und dank seiner sprachlichen Überzeugungskraft mitreißen konnte. Solche Typen, die den Trupp mit ihren spontanen Einfällen aufmischen können, wünscht man sich als Leiter.

 

Ich arbeitete bereits in Übersee, als ein schwerer Schicksalsschlag seine Familie traf und rolf ziemlich aus der Spur warf. Unser sehr intensiver Schriftwechsel über Meere hinweg war es wohl, der uns eine gegenseitige Nähe brachte, die Jahrzehnte andauerte. Mir ist da vor allem rolfs Treue in dankbarer Erinnerung.

 

Aus der Ferne bekam ich mit, wie er mit anderen Rovern dem Stamm einen originellen, lustvoll-aktiven Ideenpool bescherte und sich über den Stamm hinaus in der DPSG engagierte. Seine unkonventionelle Art mit den Menschen und den Dingen umzugehen, gewann ihm viele Freunde. Mit Nachdruck verteidigte er sein Signum, seinen Namen klein zu schreiben: rolf herling.

 

rolf studierte Pädagogik. Der ausgebildete Lehrer zog jedoch die DPSG dem Lehramt vor. Ein Jahr lang war er in Paris hauptberuflicher Referent der DPSG für die deutsch-französische Zusammenarbeit, von 1978 bis 1991 dann bei der Bundesleitung Referent für Entwicklungsfragen und für die Stufen der Jungpfadfinder und Pfadfinder.

 

Eine so lange Zeit in einem Jugendverband mit vielen Programmen, mit unzähligen Begegnungen, kam seiner Kontaktfreudigkeit, seiner charmanten, unverstellten Art entgegen, machten ihn beliebt und geachtet. Gepaart mit außerordentlichem Engagement war er zu seiner Zeit ein Mitgestalter der DPSG. Mehr und mehr konzentrierte er sich bei seiner Arbeit auf die Probleme der Einen Welt. Bei der »Deutschen Welthungerhilfe« fand er nach der DPSG ein Betätigungsfeld für seine Vorstellungen.

 

Engagiert bei den Freunden und Förderern der DPSG erklärte rolf sich in einer Notsituation bereit, neben seiner Berufstätigkeit die Verantwortung für unsere Zeitschrift »notlert« zu übernehmen. Das machte er acht Jahre und 16 Ausgaben lang als AIleinredakteur. Viele persönliche Erfahrungen und persönliche Ansprachen an die Leser flossen in seine Texte ein. rolf schrieb, redigierte, gestaltete und besorgte mit Hilfe seiner Lebensgefährtin selbst das Eintüten der Zeitschriften und den Postversand. rolf herling hat sich auch um die F+F verdient gemacht.

 

Als ihn ein neuer harter Lebensschlag traf, begann sein Rückzug aus den Bezügen seiner Vergangenheit. Ich gehörte zu den ersten, denen er unwiderruflich die Freundschaft aufkündigte. rolf zog sich zurück. Konsequent und total. Als es die Runde machte, dass seine schwere Krankheit zu seinem baldigen Tod führen würde, löste das bei vielen seiner ehe-maligen Weggefährten große Betroffenheit aus. Einige besuchten ihn als letzten Freundesdienst am Krankenbett; meist war eine Ansprache nicht mehr möglich.

 

Die knapp gehaltene Todesanzeige dominiert eine große Pfadfinderlilie der DPSG. Und aus dem Abschiedslied die Zeile: »Wir ruhen all' in Gottes Hand«. rolf herling starb nach kurzer und schwerer Krankheit am 25. Oktober 2015 in Bad Honnef. Er wurde 63 Jahre alt.

 

WINFRIED KURRATH

 

veröffentlicht in "notiert" Nr. 73, Winter 2015/2016